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Liepert's Kulinarium

Liepert's Kulinarium

Manchmal liegt das Gute so nah. Oder in einem Gebäude, an dem man schon tausend Mal vorbei gefahren ist. „Wir waren im Liepert’s und es war ein Traum“, erzählt mir eine Freundin. Liepert’s was? Noch nie gehört. „Ach geh, Vicky, das kennst du doch. In Leutschach, gleich nach dem Kniely Haus.“ Ja stimmt. Kenne ich. Theoretisch. Aber praktisch war ich noch nie dort. Das kann man ändern.

Ziemlich spontan beschließen mein Freund und ich dann eben auch endlich mal ins Liepert’s Kulinarium zu gehen. So weit weg ist es ja nicht. „Irgendwas werden sie schon zu essen haben,“ murmle ich, als wir die paar Meter vom Parkplatz zum doch etwas versteckten und unscheinbaren Eingang gehen. Ich bin nicht besonders gut drauf an diesem Abend. Irgendwie noch etwas gestresst vom Tag und dann fuhr ich auch noch ohne Speicherkarte in der Kamera los und musste wieder zurück. Sowas nervt. Und wenn ich genervt bin, triefe ich vor Sarkasmus. Als wir das Lokal betreten, vergeht mir dieser aber ziemlich schnell. Wir werden freundlich begrüßt. Richtig nett und ganz natürlich. Urig südsteirisch. Hätte ich mir nicht erwartet, schließlich hat das Liepert’s Kulinarium 2 Hauben und 90 Punkte im Falstaff Ranking. Da kann man auch anders. Oder könnte.

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Wir werden zum Tisch gebracht, plaudern nett und irgendwie fühle ich mich fast gegen meinen Willen sofort wohl. Ich hab etwas mehr Aufgeblasenheit erwartet, mehr Haubenküche-Blasiertheit. Aber davon spürt man hier gar nichts. Nach uns kommen noch weitere Gäste. Eine fröhliche Runde. Sie haben reserviert und beim Nennen des Namens weiß Lisa, die die Gäste empfängt, gleich wieder, wer es ist. „Sie haben gefragt, ob der Hund mit darf“, sagt sie mit einem Lächeln. „Welche Rasse ist es denn? Wir haben auch einen Hund.“ Und schon entbrennt ein angeregtes Gespräch. Wir hören gespannt zu und vergessen drauf hin gleich mal uns Getränke auszusuchen. Ich lehne mich in meinem bequemen Ledersessel zurück und schnaufe erst mal durch. Manchmal ändert man seine Voreingenommenheit ziemlich schnell und manchmal weiß man dann auch sofort, dass der Abend gerettet ist.

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Die Karte

Die Karte ist übersichtlich. Es gibt 4 Kategorien – Vorspeise, Zwischengang, Hauptspeise, Dessert und hier jeweils drei Gerichte. Man kann sich einem Vorschlag anschließen, selbst zusammenstellen und somit auch einen Gang auslassen. Wenn man mag, kann man sich auch gänzlich überraschen lassen und das 5-gängige Überraschungsmenü mit Weinbegleitung wählen. Ich mag es immer am liebsten, wenn mich die Auswahl auf der Karte nicht erschlägt und so entscheide ich mich als Vorspeise für die „KAROTTE“. So steht es nämlich in der Karte. KAROTTE Violette / Orange / Gelbe / Kren / Kernöl. Klingt gut, überraschend und irgendwie weckt die Art der Beschreibung Neugier und Vorfreude. Mein Freund entscheidet sich für die „FORELLE“. Gurke / grober Senf / Ährenfisch. Aber zuerst werden wir erst einmal mit einem Gruß aus der Küche überrascht.

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Das Begrüßungskomitee

Kein Gruß, sondern ein ganzes Begrüßungskomitee. Es dauert ein bisschen, bis wir alles erklärt bekommen haben. Mein Freund sieht mich an, zieht die Augenbrauen hoch und grinst. Schließlich ist er der Allesesser von uns und realisiert gerade, dass die fleischlichen Grüße aus der Küche allein für ihn sind. Ich staune inzwischen über die Art des Anrichtens, die Präzision und vor allem den Einfallsreichtum und die Fingerfertigkeit. Hier ein Miniklecks Sauce, dort ein Gänseblümchen. Kleine Kräuterbüschel, selbst gebackenes Knusperbrot, das so hauchdünn ist, dass man fast durchschauen kann. Da versteht jemand sein Handwerk und hat offensichtlich auch noch ganz viel Freude daran.

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Wir Südsteirer werden mit dem Backhendlhaxn in der Hand geboren

In Deutschland geboren, hat Manuel Liepert als Koch in einem 4-Sterne-Hotel gearbeitet, bevor es ihn in die Schweiz zog, wo er Lisa Kürbisch aus der Südsteiermark kennenlernte. Dass die beiden individuellen Köpfe eine sehr gute Kombination darstellen, war den beiden wohl ziemlich schnell klar und man hat das auch den ganzen Abend über gespürt. Charme und Professionalität verbinden sich im Liepert’s Kulinarium. Man achtet auf traditionelle Werte, hat aber auch keine Angst davor, mal was Neues, Unerwartetes zu probieren. Keine Kompromisse werden bei den Zutaten gemacht, erzählt man uns. Alle Produkte werden – soweit es geht – bei regionalen Produzenten und Bauern gekauft. Gemüse und Kräuter stammen aus dem eigenen Garten. Auf der Speisekarte kann man „Handmade in Styria“ lesen und daran würde man sich auch jeden Tag aufs neue halten.

Unerwartet und kreativ sind dann auch die Vorspeisen. Meine KAROTTE und Christophs FORELLE sind ebenso detailgetreu angerichtet wie der Gruß aus der Küche. Man möchte das „Kunstwerk“ gar nicht zerstören. Irgendwann überwinde ich mich und koste. Es schmeckt köstlich und jetzt weiß ich auch, was meine Freundin gemeint hat. Ich verliebe mich sofort in jeden Koch, der vegetarische Speisen raffiniert zubereiten kann. Das scheint nämlich eine besondere Kunst zu sein, die nicht jeder beherrscht – oder beherrschen mag. Klar, wir sind hier in der Südsteiermark. Südsteirer werden sprichwörtlich schon mit dem Backhendlhaxn in der Hand geboren. Aber meine KAROTTE zeigte mir sehr eindrucksvoll, dass es auch anders geht. Danke Manuel!

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Vielleicht sah Manuel mein zufriedenes Gesicht durch die große Glastür, die in die Küche führt, denn er grüßte uns anschließend nochmals mit einer Überraschung aus der Küche. Und wieder war ich erstaunt und angetan von der Präsentation der Speisen. Das Auge isst mit, bekommt im Liepert’s Kulinarium irgendwie eine ganz neue Bedeutung.

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Als Hauptgang hatte ich mir die RAVIOLI ausgesucht. Mit Belperknolle / Spinat / 63 °C Ei. Das ominöse Ei rief gerade zu danach zu fragen, was das denn sei. Ein Ei, das bei genau 63 Grad gegart werde. Anschließend ließe sich das Eigelb ganz einfach vom Eiweiß trennen und was übrig bleibt, ist ein gelbes Oval, das außen wachsweich und innen zart und flüssig ist. Dieses Ei thronte also auf meinen Ravioli und war ganz köstlich. Mein Freund hatte REH. Mit Topinambur / Preiselbeere / Pilz.

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Anschließend wäre ich eigentlich satt gewesen. Eigentlich. Aber wie so viele in meiner Familie verfüge ich glücklicherweise über einen Dessertmagen. Ein bisschen Kuchen oder Eis geht immer noch. Und so entschied ich mich für die „SCHOKOLADE“. Schokoladekuchen / Karamell / Erdnuss der sich als eine Art leckerer Brownie entpuppte. Mit Saucenklecksen, genau in der richtigen Größe. Mein Freund hatte „KOKOS“. Maracuja / Ananas / Joghurt. Natürlich musste ich kosten. Ich ziehe ja generell Schokolade immer allem anderen vor, aber die verschiedenen Moussevarianten schmeckten herrlich frisch und leicht. Ein absolut gelungener Abschluss.

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Für mitgebrachte Zeit wird man mit Genuss belohnt

Wenn man ins Liepert’s geht, sollte man auf jeden Fall Zeit mitbringen. Zeit zum Genießen, zum Pausieren und natürlich zum Essen. Es dauert ein bisschen, bis man alle Gänge und Grüße aus der Küche durch hat und man wird auf jeden Fall langsamer essen, kosten, schmecken. Jeder Teller ist eine kleine Entdeckungsreise. Natürlich sollte man sich auch die Zeit nehmen, Weine aus der Region zu probieren. Zu jedem Gang gibt es eine Empfehlung oder man sucht einfach selbst aus. Die Südsteiermark ist bekannt für ihre Weine, dem trägt man auch im Liepert’s Rechnung. Allerdings kann man sich auch für regional hergestellten Whiskey oder Gin entscheiden. Oder für Fruchtsäfte. Die gibt es nämlich auch regional hier bei uns.

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Die Preise

Die Preise sind dem Standard angemessen. Vorspeisen kosten zwischen 13 und 15 Euro. Zwischengänge zwischen 9 und 17 Euro, Hauptgänge sind für um die 24 bzw. 27 Euro zu haben, für Desserts und Käse vom Brett bezahlt man zwischen 9 und 10 Euro. Das Überraschungsmenü hätte 75 Euro gekostet. Geld, das ich für gutes Essen und Regionalität gerne ausgebe. Vor allem, wenn man dafür ein solches Erlebnis bekommt wie im Liepert’s Kulinarium. Um mal schnell zwischendurch was zu essen, geht man sicher nicht ins Liepert’s. Wer einen schönen Abend mit dem Liebsten oder mit Freunden genießen möchte, dem kann ich das Liepert’s Kulinarium sehr ans Herz legen.

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Liepert’s Kulinarium
Arnfelserstraße 2, 8463 Leutschach, Österreich
Reservierung: +43 664 141 81 16
www.lieperts.at


ÖFFNUNGSZEITEN:
Dienstag bis Samstag. Sonntag und Montag Ruhetag.
Von Mitte August bis Ende Oktober auch Montags geöffnet.

 

In 18 Kochtoepfen durch die Suedsteiermark

 

 

 

0 comments

  1. Das sieht alles sehr köstlich aus und das Lokal total gemütlich. Schön!

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