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Karrierefrau: Zicke und Rabenmutter

Karrierefrau: Zicke und Rabenmutter

Auf dem Weg von einem Termin zurück ins Büro treffe ich einen langjährigen Bekannten. Wir verstehen uns gut, haben schon das eine oder andere Projekt gemeinsam abgewickelt. Auf mein „Wie läuft’s bei dir?“ verdreht er die Augen. „Frag lieber nicht. Sie haben mir eine neue Abteilungsleiterin vor die Nase gesetzt. Du weißt schon, so eine richtige Karrierefrau.“ sagt er und wackelt vielsagend mit den Augenbrauen. Fragend sehe ich ihn an. „So eine verbissene Zicke eben. Wie die halt alle sind.“ setzt er nach und seufzt theatralisch.

 

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Zicken und Rabenmütter

Als ich weitergehe rattert mein Kopf. Karrierefrauen sind also Zicken. Und wahrscheinlich auch Rabenmütter, denn für Kinder oder Kindererziehung haben sie sowieso keine Zeit. Aber wahrscheinlich sind solche Frauen eh alle Single, wer will schon so jemanden zur Frau haben? Mir fällt auf, wie negativ besetzt das Wort „Karrierefrau“ eigentlich ist. Eine Zicke, die alle anderen wegbeißt. Nur die eigenen Ziele im Sinn. Geht über Leichen. Selbst ich habe bei dem Wort sofort ein Bild im Kopf. Aber warum ist das so? Wer um alles in der Welt hat mir das dort hin gesetzt?

 

Girlboss und Careergirl

Als ich mich kürzlich auf die Suche nach einem Hashtag für meine Karriere- und Erfolgstipps gemacht habe, wollte mir partout nichts einfallen. #Karrierefrau klingt negativ. Nach alt, grau und verbissen. Auf englisch klingt halt alles besser, dachte ich mir damals. Bei #girlboss und #careergirl denkt niemand an eine zickige, verbissene Dame Mitte 40 im grauen Kostüm. Damit verbinde ich erfolgreiche, junge Frauen, die wissen was sie wollen. Ihr eigenes Business aufziehen oder im Beruf auf eigenen Beinen stehen. Aber sobald man die englischen Begriffe ins Deutsche übersetzt, klingt es blöd. Nicht nach dem, was ich aussagen möchte. Nicht nach dem, wie ich viele erfolgreiche Frauen sehe. Irgendwann kam mir der Gedanke, dass das gar nicht am Englisch liegt. Nein es liegt an uns. Und daran, was wir mit dem Begriff „Karrierefrau“ verbinden, welche Bilder er in unseren Köpfen auslöst.

 

Hallo, mein Name ist Viktoria. Ich bin unweiblich und eine Zicke.

Ich sehe mich durchaus als „Karrierefrau“. Aber alleine wenn ich das tippe, stößt mich etwas daran ab. Mir ist mein beruflicher Erfolg wichtig. Schlimm wäre es, wenn es nicht so wäre, wozu hätte ich dann meine eigene Firma gründen sollen? Aber manchmal habe ich Angst das auszusprechen. Sage dann „Das passt schon so mit meiner kleinen Firma.“ Aber ich habe Pläne für die Zukunft. Größere Pläne. Und im Alltag muss und möchte tough sein. Ich vertrete meine Meinung in Meetings, sage was ich kann, widerspreche auch mal konstruktiv. Ich möchte gar nicht wissen, wie oft ich von Männern deshalb schon als Zicke bezeichnet wurde. Und ich frage mich ernsthaft, warum man eine Zicke ist, wenn man als Frau eine klare Ansage macht, fachlich gut ist und Selbstvertrauen besitzt. Nicht selten wird das als männlich oder unweiblich bezeichnet. Ich bin also unweiblich, wenn ich weiß, was ich kann? Und ich bin unweiblich, wenn ich meinen Fokus darauf lege, beruflich weiterzukommen oder eine Führungsposition bekleiden möchte?

Das alles macht mich traurig, denn ich kenne viele „Karrierefrauen“, die gerade all das nicht sind. Aber ich weiß auch, dass das Bild, das so mancher Mann (und manche andere Frau!) von ihnen hat, nicht besonders positiv ist. Offensichtlich gibt es hier noch jede Menge Vorurteile, die sich fest halten und sich auch nicht so leicht wegdiskutieren lassen. Und gerade deshalb habe ich wohl immer noch keinen deutschen Hashtag gefunden, der genau das aussagt, was ich sagen möchte. (Für Vorschläge bin ich sehr dankbar!)

Wie siehst du das? Wurdest du vielleicht auch schon einmal als zickige Karrierefrau bezeichnet? Vielleicht stimmt es ja sogar, dass Karrierefrauen Zicken und Rabenmütter sind?

 

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0 comments

  1. Wow, da sprichst du wirklich einen wunden Punkt an. Mir scheint es auch oft als wenn man im Berufsumfeld das Sozialverhalten mit zweierlei Maß misst. Ich werde als Frau oft als aggressiv/zickig wahrgenommenen wenn ich eine klare Ansage mache. Karrieremänner dürfen das ohne negative Wertung. Leider fehlen mir gerade im Führungsbereich positive weibliche Vorbilder. Wie soll ich mich als Frau verhalten? Wie wird mein Verhalten im beruflichen Umfeld wahrgenommen? Wie sollte ich mich besser Verhalten? Keine Ahnung. Da hilft leider nur weiterhin sein eigenes Ding machen und bissige Kommentare nicht zu Herzen nehmen.

    1. Da sprichst du einen ganz großen Punkt an: Positive weibliche Vorbilder. Meiner Meinung nach müssen auch wir Frauen an uns und unserem Führungsverhalten arbeiten und können nicht den Männern (oder dem Bild in unseren Köpfen) die Schuld geben. Allerdings ist die Voraussetzung dafür auch nicht so einfach, gerade weil es das gibt.

  2. EIn sehr interessanter Post. Ich bin selbst gar keine Karrierefrau – ich will kein Chef werden, sondern bin sehr glücklich an der Stelle wo ich gerade bin – wobei das auch Schulabschluss, Ausbildung, Fortbildungen und schon 2 Firmenwechsel gebraucht hat, um glücklich zu werden – das Blog-Business betreibe ich ja nebenbei. Mir begegnen aber viele Männer in Führungspositionen und gaaaanz selten ist mal eine Frau dabei. Ich muss sagen… sicher übertreiben viele und sehen Klischees die gar nicht da sind. Allerdings gibt es wirklich verdammt viele Frauen in den „höheren“ Positionen, die (glaube ich) gerade wegen anderer Klischeedenken („Frauen können nix“ zB) eben sehr die Ellenbogen ausfahren und meinen sich ganz besonders stark und auch Stutenbissig zu zeigen. Es gibt auch andere Beispiele, die sind aber rar. Ich glaube einfach manchmal bedingt das eine das andere – wenn das jetzt verständlich war ^^

    1. Ich finde es super toll dass du sagst, du bist in deinem Beruf glücklich. Und genau das ist für mich auch Karriere. Im deutschsprachigen Raum wird mit Karriere (leider) oft Führungsfunktion, Management etc. gemeint. Im englischen ist das anders, weil da Career einfach den Berufsweg meint, egal ob man nun Chef werden möchte oder einfach „nur“ gut in seinem Job. Daher gefällt mir persönlich immer die englische Version besser, denn für mich ist auch gerade dein Berufsweg eine „Karriere“. Gibt es etwas Tollers als glücklich zu sein mit dem was man macht? Ich finde nicht und das ist für mich die beste Art von Karriere.

      1. Ja, da hast du vollkommen Recht. So habe ich das nie gesehen… Karriere wird hier wirklich immer gleichgesetzt mit „sich hocharbeiten bis zum Chefposten“. Mir ist glücklich sein wichtiger. Heisst ja schließlich auch nicht, dass ich mein Leben lang auf der Stelle bleibe. Entweder weil sich von außen was ändert oder ich vielleicht doch was anderes machen will, was mich glücklich(er) macht. Lustig ist auch dieser Kontrast – Frauen in Führungspositionen werden oft als „Bossy“ dargestellt im negativen Sinn, aber jemand der auf seiner Stelle happy ist, ist dann auch wieder net Recht. „Wie… willst du nicht noch weiter kommen…“ Nö – Ich renne dem Glück nicht hinterher – ich finde es da wo ich gerade bin 🙂 Oder suche danach, aber krampfhaft irgendwas machen, nur weil es die Gesellschaft erwartet… Nö! Ist halt echt ein spannendes Thema 🙂

        1. Ich glaube, die Krux ist da wirklich manchmal der deutsche Sprachgebrauch. Aber das mit „Wie du willst nicht noch weiter kommen…“ habe ich auch schon öfter gehört, wenn Kolleginnen oder Freundinnen meinten, sie seien glücklich mit ihrem Job oder ihrer Situation. Es ist schon interessant, einerseits soll man als Frau nicht zu „bossy“ sein und andererseits aber auch weiterkommen wollen. Egal wofür man sich entscheidet, es gibt immer Leute die was anderes hören wollen… Daher finde ich es so toll dass du sagst, du möchtest einfach glücklich sein. Ich dachte ja früher immer, dass „Karriere“ für mich möglichst viel Geld verdienen bedeutet. Davon bin ich auch schon seit einiger Zeit runter und viel mehr in zu Work-Life-Balance, Selbstverwirklichung, Spaß an der Arbeit… Weil ich eben wie gesagt einfach glaube, dass auch das eine schöne Form von Karriere ist.

  3. Stimmt. Irgendwie ist der Begriff automatisch negativ behaftet. Vielleicht, weil man für die eigenen Ziele andere Dinge hinten anstellen muss. Vielleicht, weil es tatsächlich diese zickigen Frauen gibt (nicht alle, aber einige!).

    1. Da hast du ganz bestimmt recht. Auch ich kenne zickige Frauen. Und ich finde es immer noch schade, dass man für seine „Karriere“ wirklich nicht selten andere Ziele opfern muss. Ich frage mich allerdings, ob da Männern auch so geht…? Oder ob es da einfacher ist.

  4. Ich habe dazu gerade erst ein sehr spannendes Buch gelesen, dass genau dieses Thema hatte. Es wird immer in zweierlei Maß gemessen. Als Mann gilt man als durchsetzungsstark und zielorientiert. Wenn man als Frau einen Kommentar bringt, gilt man gleich als zickig und als Quertreiber, der alles blockieren will. Auch wenn die frau zum Beispiel schwanger wird oder nur noch Halbtags zum Arbeiten kommt gilt man gleich als nicht mehr qualifiziert, da man ja nur noch die Hälfte der Zeit im Job verbringt. Das finde ich sehr schade und hoffe wirklich, dass sich diese Sichtweise irgendwann ändern wird, denn egal ob männlich oder weiblich, jeder kann ein guter Boss sein.

    1. Ja, da sagst du was ganz wichtiges: Jeder kann ein guter Boss sein! Ich glaube nämlich, dass wir Frauen im Gegensatz zu Männern andere (Führungs-)qualitäten haben, die auch sehr wertvoll sind. Und dass wir gar nicht „männlich“ sein müssen. Leider wird uns das oft vorgelebt und es müsste mehr positive weibliche Vorbilder in höheren Positionen geben.

  5. Hallo Viktoria,
    danke für diesen Post! Ich sehe das absolut genauso. Und leider gibt es tatsächlich sehr wenige positive weibliche Führungsbeispiele. Das kommt noch dazu. Ich bin es auch leid, dass wenn man als Frau den Mund aufmacht, gleich als schwierig oder zickig gilt. Was mich aber genauso nervt, sind Sprüche von älteren männlichen Kollegen, die sich auf das Aussehen von Kolleginnen beziehen. Egal, ob positiv oder negativ. Da merkt man dann leider auch wieder fehlenden Respekt und die Nicht-Anerkennung des Könnens und Fachwissens der Frauen. Das führt dann leider auch oft dazu, dass Frauen nicht ernst genommen werden. Aber sich deshalb anzuziehen und zu verhalten wie ein Mann finde ich auch nicht richtig. Ich glaube, dass auf beiden Seiten noch viel zu tun ist. Sowohl Männer als auch Frauen müssen an sich, ihrer Einstellung und ihrem Verhalten arbeiten.
    Viele Grüße
    Sarah

    1. Hallo Sarah,
      da hast du so recht. Mir ist erst kürzlich aufgefallen, dass man über weibliche und männliche Führungskräfte ganz anders spricht. Bei Frauen geht es ums Aussehen, bei Männern ums Können. Allein das regt mich manchmal schon tierisch auf. Ich sehe es wie du: Dann gleich „männlich“ werden zu wollen ist der falsche Weg. Ich glaube nämlich, dass Frauen im Vergleich zu Männern andere Qualitäten haben bzw. differenziert vorgehen können. Und auch das ist ein Vorteil. Schade ist, dass meist versucht wird alles auf einen Nenner zu bringen und Frauen wie Männer sein wollen. Dabei wären es genau die Vorteile, die Frauen nach vorne bringen würden. Ich glaube, wir müssen da auch einfach mutiger sein. Aber es ist eben manchmal einfach nicht so einfach…

  6. Liebe Viktoria, du sprichst mir aus dem Herzen! Auch ein ganz wichtiger Punkt, über den ich viel nachdenke: nach bestandenem Steuerberaterexamen bekommen viele Frauen in unserem Umfeld erstmal Kinder – ich werde immer sehr schräg angeschaut, wenn ich sage, dass ich mein Examen nicht gemacht habe, um als erstes Kinder zu bekommen… Klar, das kann der Mann uns nicht abnehmen, aber warum darf ich als Frau nicht auch Karriere machen – so, wie viele Männer? Im Moment ist mir meine Karriere einfach zu wichtig, als dass ich für Kinder (und wenn auch nur zeitweise) aussteigen wöllte… nö, nicht mit mir! Ich mag starke Karriere-Frauen (so wie dich und mich und viele andere…) und ich feier uns alle dafür!!!

    1. Ich verstehe dich sehr gut, mir geht es genauso. Ich wusste, dass ich nach der Uni einfach einmal an meiner „Karriere“ arbeiten und mich darauf konzentrieren wollte. Ich arbeite sehr gerne und ich bin gerne unabhängig. Das Problem ist, dass man sich als Frau leider immer noch zwischen Karriere und Kind entscheiden muss. Da sind uns andere Länder einfach so weit voraus und ich bin mir sicher, dass man auch beides haben kann. Bei mir ist es aber im Moment so, dass meine Position und berufliche Situation das nicht zulässt. Ein Kind müsste unter diesen Voraussetzungen wahrscheinlich ein wenig zurückstecken und es wäre mir nicht möglich, ihm Priorität 1 zu geben. Das klingt unglaublich traurig, aber sowas möchte ich dem Kind nicht antun.
      Ich finde es übrigens sehr positiv, dass du so zu deiner Meinung stehst. Das muss man auch dürfen und ich finde das ganz wichtig. Bravo!

  7. Hallo Viktoria!
    Ich merke es bei meiner Chefin – Vorständin im öffentlichen Dienst – ein undankbarer Job in der Sandwichposition zwischen Belegschaft und Ministerium – ich finde, sie macht ihren Job sehr gut. Du kannst es nicht jedem Recht machen – das geht bei knapp 170 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nicht. Sie wird häufig als zickig, launisch bezeichnet. Häufig heißt es, ihre Entscheidungen seien auch emotional bedingt. Oder: die hat was gegen mich. Wenn jedoch ihr Stellvertreter eine Entscheidung trifft – ein Mann – ist das immer akzeptiert und ok.
    Dass sie auf Personaleinsatzpläne, Budget, die rechtliche Umsetzbarkeit, Auswirkungen der Entscheidung auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (und die Stimmung und Motivation) aber auch um die Außenwirkung der Dienststelle Bedacht nehmen muss, wird nicht Bedacht – das wird immer unterschätzt.

    Weißt du, was ich aber am traurigsten finde? Der meiste Widerstand kommt von weiblichen Bediensteten – gar nicht mal von den männlichen. Die gehen da sogar lockerer damit um.

    Rabenmutter – ich hasse dieses Wort. Nicht mal nur auf Frauen bezogen, die nicht die Karriereleiter emporklettern (Karrierefrau wollte ich nicht sagen – obwohl für mich dieses Wort nicht negativ behaftet ist). Ich hoffe schon, bald Mutter zu werden. Ich wünsche mir das. Aber ich weiß, dass ich nicht ewig bei den Kindern daheim bleiben werde (behauptet ich jetzt mal – ich will nicht übergscheid sein, wer weiß, ob sich die Sichtweise nicht ändert, wenn man Kinder hat…). Weil ich schlichtweg gerne arbeiten gehe! Ich will – obwohl viele das hoffen und mir nahelegen – nicht Führungskraft werden; mein Ziel ist es, Familie zu haben und Familie und Job gut unter einen Hut zu bringen. Aber was das Schlimme ist: mir graut es jetzt schon vor den Reaktionen, wenn ich nicht ewig daheim bleibe (damit meine ich, bis das Kind in einem Kindergarten ist). Freundinnen, die selber Mutter geworden sind, zerreißen sich ja das Maul über andere Mütter, deren Kinder ein paar Monate alt sind, aber häufig schon mal einen Tag in der Woche arbeiten gehen. ist das verwerflich?? Ist das schädlich für das Kind?? Darf ein Kind nur die Mutter als Bezugsperson haben?? Ist es so verwerflich, dass eine Frau und Mutter neben dem Kind noch andere Interessen hat? Dass sie sich freut, grad für ein paar Stunden mal selbst wieder wahrgenommen zu werden? Was für sich selbst zu tun?
    Und genau da sind auch Frauen wieder die größten Lästermäuler – nicht mal zwingend Männer.
    Ich kenne genug Frauen, die Kind und Job ganz toll unter einen Hut bringen , deren Kinder sich auch gut entwickeln – weil es immer drauf ankommt, wie gestalte ich die Zeit mit den Kindern? Welches Interesse schenke ich meinem Kind?
    (generell ist der Druck auf Mütter – gemacht von Müttern – riesig!! – das ist manchmal schon richtig abschreckend……………………………)

    So, jetzt habe ich viel zu viel geschrieben und bin von einem Thema in ein anderes gerutscht. Aber was ich meine ist: Frauen haben es schwerer, auf eine Stufe mit Männern gestellt zu werden. Und trotzdem sind es viele Frauen, die anderen Frauen Erfolg im Beruf, nebenbei Kinder, Familie, andere Hobbies nicht gönnen – anstatt, dass wir zusammenhaltenwürden. Uns gegenseitig aufbauen und motivieren. Das ist zumindest meine Erfahrung.

    1. Ach Monika, da sprichst du ein Thema an, das mir auch so wichtig ist und worüber ich seitenweise schreiben könnte. Ich bin oft einfach nur perplex wie wenig Frauen sich gegenseitig gönnen oder zusammenarbeiten. Da sind uns die Männer noch meilenweit voraus. Schade dass es sich noch nicht durchgesetzt hat, dass Zusammenhalt und gegenseitige Unterstützung so viel mehr bringt. Ich glaube, da muss ich auch noch irgendwann mal einen Blogpost darüber schreiben…
      Schade finde ich es auch, dass es in Österreich (oder Deutschland) immer noch so ist, dass man sich zwischen Kind und „Karriere“ entscheiden muss. Da sind uns andere Länder einfach so weit voraus und ich bin mir sicher, dass man auch beides haben kann. Aber dann müssen einfach die Voraussetzungen stimmen. Und man muss endlich aufhören zu werten ob es gut oder schecht ist, wenn man bei seinen Kindern zuhause bleibt. Auch das ist Arbeit und Verantwortung, die mit der Verantworung in einem Job oder einer Führungsposition vergleichbar ist. Das sollte einfach mehr honoriert werden und der Druck, unbedingt wieder arbeiten gehen zu müssen ist auch nicht gerade toll. Ich selbst habe keine Kinder. Ganz einfach auch aus dem Grund, weil ich gerne Zeit für mein Kind hätte, wenn eines da wäre. Aber meine jetzige Situation und Position würde das einfach nicht wirklich zulassen. Das möchte ich einem Kind ganz einfach nicht antun. Hier muss sich noch ganz viel ändern, aber die Mühlen mahlen langsam, wie so oft…

  8. Leider ist das wirklich noch so. Gerade in grossen Firmen ist es scheinbar komplett normal das Frauen unterbuttert werden. In meinem ersten Betrieb gab es keine einzige weibliche Abteilungsleiterin – und zwar nicht weil keine wollte. Bevor eine langjährige Stellvertreterin zum Zug kam, wurde ein junger Stundent geholt. Finde das ganz ganz schlimm. Wobei ich auf der anderen Seite zugeben muss, ich habe auch lieber männliche Vorgesetzte weil die sachlicher sind. Es gibt bei Männern einfach weniger diese Persönlichkeitsebene finde ich. Ist leider ebenfalls meine Erfahrung.

    Liebe Grüsse
    Sylvia
    http://www.mirrorarts.at

    1. Das ist wirklich traurig, aber leider eben die Realität. Ich bin auch ehrlich, ich arbeite lieber mit Männern als mit Frauen. Gerade weil ich gerne sage was ich denke (und das auch bei meinem Gegenüber mag) ist es mit Männern einfacher. Leider.

  9. Ein spannends Thema, dass du da ansprichst. Ich muss ehrlich sagen, dass ich bei einer „Karrierefrau“ keinesfalls das Zicken-Rabenmutter-Bild im Kopf hatte. Kommt das vielleicht daher, dass ich es sehr wichtig finde, als Frau auf eigenen Beinen stehen zu können?
    Jedenfalls denke ich da immer erst an motivierte, Ehrgeizige, intelligente Menschen, die wissen, was sie wollen und das dann auch zu erreichen versuchen.

    Dass es bei Frauen allerdings oft als unweiblich gesehen wird, wenn sie eine Meinung und Fachwissen haben und beides auch zugeben, finde ich seeehr schade. Gerade das macht für mich nämlich bewundernswerte Menschen aus – egal, ob männlich oder weiblich!

    Und zu der Sache mit der Rabenmutter: Es kann Kindern auch gut tun, wenn sie nicht ständig bemuttert werden, weil sie dann selbstständig werden. Genau das war bei meiner Schwester und mir der Fall und wir sind beide froh drüber, bewundern unsere Mama und haben nicht das Gefühl, vernachlässigt worden zu sein. Wichtig ist doch, dass Mama dann ansprechbar ist, wenn man sie braucht (Und dafür reichen auch wenige Stunden am Abend!)… Aber sich sein Frühstück selbst für die Schule zu machen und auch mal selbst zu sehen, wie man zur Freundin ins Nachbardorf kommt, hat uns garantiert nicht geschadet – ganz im Gegenteil!

    Liebe Grüße

    1. Bei uns war es früher auch so. Meine Mutter ist arbeiten gegangen und meine Schwester und ich mussten uns dann auch mal selbst versorgen. Das hieß dann eben auch, dass wir uns selbst was zu Essen genommen haben und ich meiner Schwester mit den Hausaufgaben geholfen habe. Was soll ich sagen? Es hat uns absolut nicht geschadet. Ich habe sogar das Gefühl, dass uns das zu sehr selbständigen Menschen gemacht hat und ich empfand es nie als Last, dass meine Mutter nicht rund um die Uhr verfügbar war. Wie du sagst: Sie war da, wenn wir sie gebraucht haben, aber wir hatten durchaus auch unseren Freiraum.
      Ich finde es toll, dass du auch diese Seiten ansprichst.

  10. Ach das Thema treibt mich schon seit der Schulzeit um. Ich bin promovierte Naturwissenschaftlerin, habe eine zeitlang als Unternehmensberaterin gearbeitet und bin nun in einem großen deutschen Konzern Projektleiterin. „Nebenbei“ habe ich noch ein Kind bekommen und bin mit dem Klischee Rabenmutter und Karriereziege so oft konfrontiert worden, dass ich Bücher mit wenig lustigen Anekdoten füllen könnte. Ich bin 6 Monate nach Geburt wieder arbeiten gewesen (mein Mann hat ebenfalls 6 Monate Elternzeit gemacht, Kind war also gut versorgt daheim), da musste ich mir von Kollegen, die ich kaum kenne, eine Menge anhören. Es reicht ja nicht, dass man selbst so oft um seine Rolle als „working mum“, „Frau in Führungsposition“ ringt, nein, das Umfeld macht es einem noch schwerer Frieden mit den unterschiedlichen Rollenansprüchen zu schließen. Da ich in der IT arbeite, gibt es nur wenige Frauen und da erlebe ich schon eher einen Zusammenhalt. Schlimm finde ich den alltäglichen Sexismus, der einem „nett gemeint“ über den Weg läuft z.B. Wenn jemand mich bei einem Projekt übergeht mit der Begründung, das wäre ja eh nichts für mich , weil ich müsse mich ja auch um mein Kind kümmern. Das macht mich immer wieder sprachlos und wütend. Trotzdem bin ich der Meinung, wenn ich nicht dagegen ankämpfe, wird es auch meine Tochter nicht besser haben. Glücklicherweise habe ich einen Mann, der eine sehr partnerschaftliche Aufteilung unterstützt. Das ist schon mehr als viele meiner Kolleginnen haben.

    1. Du sprichst mir aus der Seele. Dieses „nett gemeinte Übergehen“ kenne ich leider auch sehr gut. Ich habe oft mit männlichen Chefs zu tun, die sind dann auch gerne mal so wohlwollend und brummen was von „Schätzchen“ oder so. Ganz schlimm. Mir ist es auch schon einmal passiert, dass ich mit einer Partnerfirma bei einem Kunden war und man dort gedacht hat, ich bin die Sekretärin. Wie selbstverständlich man davon ausgeht, wenn ein Mann und eine Frau den Raum betreten ist für mich immer noch erschreckend.
      Ich finde es übrigens toll, dass du dich dem nicht völlig fügst und für deine Tochter dagegen ankämpfen möchtest. Das will icha auch und mir geht es mit meinem Freund wie dir: Er respektiert mich voll und ganz in meinen Karrierewünschen und ist auch immer bereit im Haushalt oder sonstwo mitzuhelfen. Das finde ich schon sehr toll und ich bin froh, dass ich zuhause nicht auch noch für Gleichberechtigung kämpfen muss.

  11. #diemacherin ?
    🙂

    1. Das gefällt mir gut!

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