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Zeitfenster…

Zeitfenster…

Als ich heute morgen aufgewacht bin und einer der wohl letzten Sonnenstrahlen in diesem Jahr durch das abgedunkelte Fenster geblinzelt hat, fühlte sich die andere, leere Seite plötzlich wieder so schwer an. Und als meine warmen Füße den kalten Boden berühren, frage ich mich für einen Moment lang, wie die Kälte so schnell so viel Wärme schlucken kann, wie aus Freude so schnell Leid wird, aus Güte so schnell Hass. Und eine Millisekunde lang blitzt ein Gedanke in meinem Kopf auf, zu kurz, um ihn überhaupt zu denken, aber lang genug, um die Bilder aus ihrem Käfig zu befreien. Und ich fühle wieder deine kalten Hände und meine, die versuchen deine zu wärmen, die Kälte zu vertreiben, die immer schwerer wird und irgendwo sind noch andere Hände, warme, die versuchen mich zu halten, doch kein Wort der Welt vermag das zu lindern, was deine Leere in mir hinterlassen hat. Trotz der Tage, die verrinnen, Monate, die verstreichen, Jahre, die vergessen vorüberziehen, pocht der Schmerz noch immer dort, wo du einst auf mich gewartet hast. Es fühlt sich an, als würde man Frischhaltefolie um mein Herz wickeln. Schicht für Schicht. Doch der Schmerz kann auch im Dunklen sehen. Ohne Nachtsichtgerät. Und so sehr ich meine Augen anstrenge und zusammenkneife, er ist mir immer einen Schritt voraus. Wartet auf mich, fängt mich auf und stößt mich wieder von sich. Die blauen Flecken auf meiner Seele kannst du nicht sehen. Niemand kann es und doch wissen wir beide dass sie da sind und parallel existieren. Wie ein Zeitfenster, das man vergessen hat zu schließen und durch das der wohl letzte Sonnenstrahl in diesem Jahr blinzelt.

3 comments

  1. Oh ja. Ich kenne dieses Gefühl.
    Es ist einfach nur schrecklich und vor allen Dingen unberechenbar. 🙁

  2. my gentle impulsion says:

    ich fühle das tragische und fahle Empfinden mit dir. So lange man auch wartet bis dieser Herzschlag vergeht, so lässt er für immer bei jedem Gedanken daran, eine neue kleine Narbe auf der Seele. Die Seele und das Herz vergessen nie, auch wenn der Verstand uns dafür schützen mag.

  3. Du schreibst so schön traurig, das ist der Wahnsinn.

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