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Draculas Tochter

Draculas Tochter

Könnt ihr euch noch an euer erstes Mal erinnern? Das erste mal, als ihr geschminkt in die Schule gegangen seid. Ich weiß das noch ziemlich genau. Ich war 12 oder 13 und eine Freundin und ich hatten in der Bravo gelesen, dass man weißen Kajal auf die Innenseite des Unterlids auftragen soll, damit die Augen größer erscheinen. Und mit schwarzem Kajal umrandet man die Augen für einen dramatischen Augenaufschlag. Ja, die Beautyexperten der Bravo hatten es schon damals voll drauf.

Also haben wir unser Taschengeld zusammengekratzt und es in den kleinen Supermarkt gleich neben der Schule getragen. Es reichte gerade so für einen schwarzen und einen weißen Stift. Astor war das glaube ich. Oder Maybeline. Nicht dass wir viel Auswahl gehabt hätten.

Wir waren so ziemlich die Heros, als wir mit unserer neuen Erungenschaft in der Schule auftauchten und uns erstmal auf das Schulklo verzogen. Damals war ich davon überzeugt, dass man uns staunende und bewundernde Blicke zuwarf, als wir wieder raus kamen. Heute würde ich nicht drauf wetten. Einen Lidstrich, der am inneren Augenwinkel dünner ist und außen mit einem Schwänzchen ausläuft? Brauchen wir nicht. Einmal rund ums Auge mit dem schwarzen Liner geht genauso gut. Heute ist mir auch klar, dass das Grinsen meiner Mutter zuhause belustigt war und nicht anerkennend.

Warum ich jetzt genau auf dieses Thema komme? Heute habe ich in der Stadt ein Mädchen gesehen. 12 wird sie wohl gewesen sein. Sie war perfekt geschminkt. Lidschatten, Lidstrich, Mascara. Rouge an den richtigen Stellen. Um Längen besser als ich es an manchen Tagen schaffe. Diesmal war ich diejenige, die sie angestarrt hat. Bewundernd. Nicht belustigt. Und ich habe mich gefragt wohin die Zeiten verschwunden sind, in denen man sich Mamas Lidschattenpalette gemopst hat, lila Lidschatten aufgemalt und ausgesehen hat, als hätte man ein blaues Auge kassiert. Oder schwarzen und weißen Kajal um wie Draculas Tochter persönlich durch die Gänge der Schule zu spazieren. Vielleicht bin ich auch schon zu alt dafür um das zu verstehen… Aber darüber hab ich jetzt keine Zeit nachzudenken. Ich muss ins Bad. Schminken üben. Der 12-Jährigen werd ichs zeigen.

 

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9 comments

  1. Total sympathischer Beitrag ist das, finde ich! 🙂

  2. Wie süß. 🙂 nicht traurig sein. – Sehr schön geschrieben :-*

  3. Das ist ein lieber Post, gefällt mir!
    Liebe Grüße
    Alnis
    http://alnisfescherblog.com

  4. Hach, wie gut ich mich in diese Zeit rein versetzen kann! Bei mir war es auch der schwarze Kajal, weil wenn man was Natürliches „geschminkt“ hätte, hätte man es nicht gesehen und das hätte ja nicht gezählt 😀 HAHA

    Aber nicht traurig sein! Es wundert mich gar nicht, dass junge Mädels heutzutage so gut geschminkt sind. Immerhin haben sie Internet und Zugang zu allen möglichen Tutorials und Reviews und das tlw von professionellen Make-Up-Artists. Also ich hatte das nicht und meine einzigen Infos kamen aus der Bravo oder von Freundinnen, dem entsprechend sahen wir dann auch alle aus. Schätze bei Dir wirds nicht anders gewesen sein 😉

  5. Haha, ein toller Post ich kann mich so richtig in dein 13 Jähriges Ich hineinversetzen, ich war genauso 🙂

  6. Sieht so aus, als sei mein Kommentar von heute Mittag nicht angekommen. Also noch mal. 🙂

    Ich musste beim Lesen unheimlich lachen, denn mir ging es damals nicht anders. Allerdings gab es zu der Zeit ja auch noch keine Youtube-Gurus, die uns alles erklärt haben. Meine Cousine hat mit 12 ihren eigenen Schminkkanal gestartet. In dem Alter hatte ich gerade mal einen Labello. 😀

    1. Ja tut mir leid, der Kommentar kam wirklich nicht an.
      Stimmt, Youtube-Gurus gab es damals noch nicht. 🙂 Einen Kanal mit 12 – hui! Also mit dem Alter hatte ich auch grad mal Labellos und die Schminklade meiner Mutter war damals alles, was ich an Schminkzeug kannte.

  7. Köstlich!!
    Wunderbare Pointe!!
    Das Feuilleton als literarische Form ist also doch noch nicht tot!
    Sehr gelungen!
    Bravo und: Danke!

    Jo

  8. Nachtrag zur erweiterung der historischen Dimension:
    😉
    Meine Mutter (Jahrgang 1930!) erzählte mir neulich,
    ihre ersten Schminkerfahrungen machte sie mit ihren Freundinnen ca. 1939/40 mit:
    – abgebrannten Streichhölzchen (Lidstrich)
    – Rote-Beete-Saft (Rouge und „Lippenstift“)
    😉
    So ändern sich die Zeiten … 😉

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